1876

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie im Jahr 1876 von Ihrhove nach Weener, Bunde und Neuschanz in den Niederlanden entstand in Weener die erste Eisenbahnbrücke – die „Friesenbrücke“. Es handelt sich um eine bedeutsame Verbindung für das Rheiderland.

In die Jahre gekommen, wurde die Brücke 1925/26 durch einen Neubau ersetzt. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde sie aus strategischen Gründen gesprengt.

1951 wurde dann eine neue Brücke über die Ems gebaut – mit 335 Metern Länge die längste Klappbrücke der Bahn in Deutschland.

Zwei große Eisenbahnunglücke prägen die Geschichte dieser Verbindung über die Ems.

Das erste ereignete sich in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 1913. Die Zeitung „Rheiderland“ berichtete wie folgt:
„Der Zug war mit mehreren Minuten Verspätung auf der Haltestelle Hilkenborg, die dicht vor der Emsbrücke liegt, angekommen. Eine Frau, die hier den Dienst versah, hatte den Zug vorschriftsmäßig abgefertigt, und der Zugführer gab das Zeichen zur Abfahrt. Das Signal stand aber noch auf „Halt“. Der Brückenwärter, der infolge eines gerade passierenden Schleppzuges die Brücke nicht rechtzeitig hatte schließen können, versuchte durch Schreien die Aufmerksamkeit des Maschinenführers zu erregen. Aber vergeblich. Da, wenige Meter vor der gähnenden Tiefe, blickte der Maschinenführer hinaus und sah das grausige Verhängnis, dem er entgegenfuhr. Mit einer bewundernswerten Geistesgegenwart zog er blitzschnell die Luftdruckbremse und riß die Ventile auf, damit Dampf ausströme. Doch schon neigte sich die Lokomotive in die Tiefe. Mit einem Sprunge retteten sich Führer und Heizer auf den Tender. Ein heftiger Ruck, der den Zug erschüttern ließ, so daß Passagiere unsanft durcheinandergerüttelt wurden und die Lokomotive rammte sich mit dem Aschenkasten auf dem Brückenpfeiler fest; gleichzeitig stellte sich der Tender hoch auf, und beide Kuppelungen verkeilten sich. Das hierdurch entstandene Gegengewicht macht es unmöglich, daß die Maschine ganz abstürzte. Sie blieb in der oben beschriebenen Lage hängen. Die nachfolgenden Wagen, ein Gepäck- und drei Personenwagen, blieben auf den Gleisen stehen.
Die ahnungslosen vierzehn Passagiere rissen erschreckt die Fenster auf und sahen mit Grauen, wie nahe sie dem Tode waren. Sie wurden vom Zugpersonal über die Brücke zurückgebracht, mittels Fähre über die Ems gesetzt und dann mit einem sogleich herbeigeschafften Ersatzzug ihrem Bestimmungsort zugeführt. Führer und Heizer begaben sich wieder auf ihre Posten, bis der Kessel entleert, das Feuer gelöscht und jede weitere Gefahr beseitigt war.“

Das zweite Unglück ereignete sich am Abend des 3. Dezember 2015.
Die Rheiderland Zeitung berichtete am nächsten Morgen wie folgt:
„Die Friesenbrücke über der Ems bei Weener ist gestern Abend bei einem Schiffsunfall schwer beschädigt worden. Verletzt wurde niemand. Züge können auf der Eisenbahnbrücke vorerst auf unbestimmte Zeit nicht verkehren. Die Verkehrszentrale Ems hat zudem den Fluss im betroffenen Bereich bis auf Weiteres für den Schiffsverkehr gesperrt. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei war der Frachter „Emsmoon“ gegen 18 Uhr aus dem Papenburger Hafen ausgelaufen und seewärts unterwegs, als er gegen 18.40 Uhr die Brücke in Weener rammte. Die Klappe, mit der die Brücke für Durchfahrten von Schiffen mit höheren Aufbauten geöffnet wird, wurde durch die Kollision stark verbogen. Der Frachter hatte sich derart verkeilt, dass es mit dem Schlepper „Gerd Bliede“ zunächst nicht gelang, den Havaristen zu bewegen. Beamte der Bundespolizei, die ebenfalls im Einsatz waren, räumten aus Sicherheitsgründen die Brücke. Der Schlepper sollte die „Emsmoon“ nach Papenburg zurückbringen, zumal Beamte der Wasserschutzpolizei zunächst nicht von der Brücke an Bord konnten. Die Ursache für den Unfall war gestern Abend zunächst noch unklar, sagte Michael Schulze von der Wasserschutzpolizei in Emden auf Anfrage der RZ. Er bestätigte, dass ein Lotse an Bord des Schiffes war. Ein Brückenwärter war ebenfalls vor Ort. Nähere Angaben zur Besatzung konnte Schulze zunächst nicht machen. Nicht bestätigen konnte er Informationen, nach denen die „Emsmoon“ trotz roter Ampeln gegen die geschlossene Brücke gefahren sein soll. Zu einer Verunreinigung des Gewässers sei es nicht gekommen, fügte Schulze hinzu. Die „Emsmoon“ mit Heimathafen Saint John’s gehört zur Flotte der Papenburger Grona Shipping GmbH und fährt unter der Flagge von Antigua und Barbuda. Sie wurde im Jahr 2000 bei der Ferus Smit-Werft in den Niederlanden erbaut und ist mit 4563 BRZ vermessen. Der Frachter ist zirka 112 Meter lang und 15 Meter breit. Bei einem Tiefgang von 4,20 Meter erreicht das Stückgutschiff eine maximale Geschwindigkeit von 12,4 Knoten.“

Nachdem die Schäden am Bauwerk untersucht worden waren, wurde entschieden, die Friesenbrücke als Hub-Dreh-Brücke – übrigens die größte Europas – neu zu bauen. Die Brücke wird als Stahlfachwerkkonstruktion errichtet. Das Herzstück ist der Drehpfeiler mit den maschinentechnischen Anlagen im Flussbett, auf dem das 145 Meter lange bewegliche mittlere Brückenteil lagert. Der Bewegungsablauf ist folgendermaßen sein: Zuerst wird der drehbare Teil der Brücke entriegelt, im weiteren Schritt werden die Brückenenden durch Anheben am Drehpfeiler freigesetzt. Anschließend folgt mittels Hydroantrieb und Drehkranz das Aufdrehen und Verriegeln in Endlage. Die Bedienung erfolgt aus dem denkmalgeschützten Brückenwärterhaus und aus einer Fernbedienzentrale.