Der Pferdehandel beginnt – Weener blüht auf
Viele Nöte hatten die Weeneraner in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges durchstehen müssen. Zum Ende des 17. Jahrhunderts aber begann eine wirtschaftliche Blütezeit. Denn um das Jahr 1680 blühte nicht nur der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Getreide, Butter und Käse, sondern insbesondere der Handel mit Pferden – und das in großem Stil.
Jährlich wurden mindestens 1000 Pferde in alle Himmelsrichtungen geliefert, nach Brandenburg, Hannover, Sachsen und zu verschiedenen Fürstenhöfen und Bischofssitzen. Sogar Süddeutschland, Österreich, Italien und Frankreich kauften echte Rheiderländer Kutsch- und Reitpferde.
Gar nicht so einfach gestaltete sich die Auslieferung, denn die Wege waren schlecht.
In Richtung Süden brauchte man beim Transport einen Tag, um nach Rhede im Emsland zu gelangen. Unterwegs wurden die Tiere mit roten Möhren gefüttert. In Osnabrück wurden sie dann sortiert: die abgemagerten blieben dort und wurden für eine Weile wieder aufgepäppelt.
Ging es weit in Richtung Süden, wurde ein längerer Stopp in Augsburg eingelegt, bevor mit gekräftigten Pferden die Alpen überquert wurden. Die Begleiter schliefen nie in Betten, sondern rollten sich in ihre großen Mäntel ein und schliefen bei den Pferden.
Überliefert ist übrigens, dass ein Pferdehändler seinen Begleiter in Palermo auf Sizilien mittellos zurückließ. Dieser machte sich zu Fuß auf den Heimweg und kam schließlich tatsächlich wohlbehalten wieder in Weener an.
Kurzum: Es waren abenteuerlustige Weeneraner, die die weiten Geschäftsreisen auf sich nahmen. Die Wege waren nicht nur schlecht, sondern auch voller Gefahren. Nicht selten wurden die Reisenden unterwegs von Räubern überfallen und ausgeraubt. Und so kam es, dass manch einer, der ausgezogen war, um Pferde auszuliefern, seine Heimat nie wiedergesehen hat.
(Aeilt Fr. Risius: Weener (Ems) – Geschichte der Stadt im Rheiderland, 1994)