


Die Kirche in Stapelmoor gehört zu den bedeutenden mittelalterlichen Kirchen im nordwestdeutschen Küstenraum, die fast ausschließlich aus Ziegelsteinen mit Muschelkalkmörtel gebaut sind. Es sind Materialien, die örtlich hergestellt werden konnten. Die Kirche gehört in die baugeschichtliche Zeit der Romanik und ist im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts datiert. Sie entstand als Tochterkirche von dem benachbarten Aschendorf aus. Einzigartiges Merkmal dieser Kirche ist der Grundriss in der Form eines griechischen Kreuzes, wo die Kreuzarme in etwa gleich lang sind. Diesem Grundriss vorgelagert ist der westlich mit der Kirche verbundene Turmgrundriss in etwa quadratischer Ausführung. Die Grundrissform zeigt etliche Unregelmäßigkeiten durch Verschiebung von Achsen, wodurch die Gebäudeecken keinen rechten Winkel bilden.
Im Äußeren ist die Kirche gegliedert durch Ecklisenen, Treppenfriese in den Giebeln und Auskragungen mit Zahnschnittmuster unter den Traufen. Den Ostgiebel ziert eine Dreifenstergruppe. Die über die Jahrhunderte vorgenommenen Veränderungen sind im Außenmauerwerk ablesbar, insbesondere die nach unten und in der Breite vergrößerten Fensteröffnungen. Nach Norden und nach Süden sind ehemalige Portale zugemauert. An den nördlichen und südlichen Kreuzjochen waren ehemals nach Osten im Grundriss bogenförmige Anbauten, sogenannte Nebenapsiden vorhanden,deren Schließungen im Mauerwerk deutlich erkennbar sind. Durch die Bestattungen auf dem der Kirche umgebenden Friedhof ist das Geländeniveau im Laufe der Jahrhunderte um ca. 70 cm angestiegen. Entsprechend wurde der Fußboden innen der äußeren Höhe angeglichen. Der Kirchturm könnte ursprünglich höher gewesen sein.
Die vier Joche und die Vierung sind im Innenraum nach oben durch gemauerte Steingewölbe abgeschlossen. Im östlichen Chorjoch und im westlichen Joch sind sie als Dominikalgewölbe mit großem Schlussring und sichtbaren Wulstrippen ausgeführt. Im Westjoch ist das Gewölbemauerwerk im Fischgrätenverband hergestellt. Über den anderen beiden Jochen und der Vierung sind einfache Kuppelgewölbe in ringförmigen Schichten gemauert.
Wie im romanischen Kirchenbau üblich, gab es auch in Stapelmoor eine reichhaltige farbige Ausmalung der Kirche wovon Teile an den Gewölben noch erhalten geblieben sind. Es zeigen sich grafische und florale Ornamente wie auch figürliche Darstellungen vornehmlich in Rot-, Grau- und Schwarztönen. Man spricht davon, dass hier eine Musterkarte der damaligen Ausmalungen friesischer Kirchen hinterlegt ist. Die der Malereien waren aber nicht nur als Schmuck gedacht. Die Darstellung von Baum, Blatt und Blume hatten auch immer theologische Bezüge zu Gottes Schöpfung, zum Garten Eden, zum Baum des Lebens. Die Lilie ist ein Symbol für Reinheit und wird mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht. Auch spielt die Zahlsymbolik bei der2 Ausmalung eine Rolle vor allem bezogen auf die Zahl 8. Sie ist die Zahl des neuen Testaments und bezeichnet den 8. Schöpfungstag in der Auferstehung Christi und die Wiedergeburt durch die Taufe in ein neues Leben.
Zur Zeit der Entstehung hat die Kirche innen ein anderes Aussehen gehabt. Im östlichen Chorjoch gab es einen Altar, evtl. auch noch weitere Altäre. Reste einer Altarmensa gibt es noch im nördlichen Joch an der Stelle, wo die Nebenapsis ansetzte. Der Chorraum hat 1445 eine Abtrennung mit einem Lettner erfahren. Darauf deutet die Jahreszahl an dem nordöstlichen Vierungspfeiler hin. Nach der Reformation, die wohl schon vor Mitte des 16. Jahrhunderts mit calvinistisch-reformierter Prägung in Stapelmoor Einzug hielt, wurden die Ausmalungen in der Kirche übertüncht und der Altar entfernt. Im Laufe der weiteren Jahrhunderte gab es immer wieder räumliche Veränderungen, die den sich ändernden theologischen Anforderungen und Gottesdienstformen entsprachen. So wurden zur Erhöhung der benötigten Besucherplätze Emporen im Nord-, West- und Ostjoch eingebaut. Bei der letzten größeren Veränderung Anfang der 1960-er Jahre erhielt die Kirche neue Bänke, die einer Predigtkirche entsprechend zur Kanzel am südwestlichen Vierungspfeiler ausgerichtet sind. In dieser Bauphase wurden die historischen Ausmalungen an den Gewölben wieder entdeckt und, soweit sie noch vorhanden waren, auch freigelegt.
Einem Bericht zufolge hat die Kirche schon 1626 eine Orgel gehabt. 1848 kam es zu einer Erneuerung der Orgel. In dieses Gehäuse waren im Laufe der Zeit bis 1994 verschiedene Orgeln eingebaut, die allesamt keinen hohen Wert und keine lange Haltbarkeit erlangten. Dann erfolgte der Neubau einer Replik der berühmten Clicquot-Orgel aus Houdon bei Versailles, zu der Professor Harald Vogel den Vorschlag machte, um in Ostfriesland eine noch reichere Orgelkultur zu präsentieren. Die Orgel wurde von den Orgelbauern Bartelt Immer, Reinald Klein und Claude Jacard gebaut. Sie weist eine sehr hohe Qualität auf und hat schon viele namhafte Organisten bewogen, Konzerte auf dieser Orgel zu spielen. Mit dem Einbau des neuen Orgelwerkes wurde auch das Gehäuse restauriert und in Teilen nach Fotovorlagen rekonstruiert mit den seitlichen Schleierbrettern, den oberen Amphoren und der Vergoldung.
Zur weiteren Ausstattung der Kirche gehört der Taufstein aus Sandstein. Er datiert in die Zeit des Baus der Kirche und zu der Serie von Taufsteinen, die „Bentheimer Typ“ genannt werden. Die Verzierungen zeigen hier auch christliche Symbole in einem Rankenfries und den vier Löwenköpfen am Schaft des Steines, die ein Symbol für Christus sind. Zur neuzeitlich praktischen Handhabung bei Taufen ist eine in Kupfer getriebene Taufschale eingelegt. Die Kanzel mit Stilmerkmalen der Renaissance ist um 1600 entstanden, der Schalldeckel in der aktuellen Form erst 1962.
Die Kirche ist der zentrale Versammlungsraum der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Stapelmoor für die regelmäßigen sonntäglichen Gottesdienst, für Trauungen, Taufen und Trauerfeiern anlässlich von Bestattungen. Wegen der guten Akustik und der wertvollen Orgel wird sie auch gerne für Konzerte genutzt.
Text verfasst von Berthold Groenewold im Februar 2023