Der Hafen wird geboren
Seit jeher war Ostfrieslands Wirtschaft von der Seefahrt geprägt. Was lag also näher, als die an Weener vorbeifließende Ems durch einen Hafen noch viel besser zu nutzen?
Der Grundstein hierfür wurde im Jahr 1570 gelegt: Weeneraner Bürger kauften dem Burgherrn Crummingha von der Memmingaburg sieben Äcker ab. 1576 ließen sie dort eine Siel- und Hafenmuhde ausheben. Die Nordseite wurde eingedeicht.
In der Folge entwickelte sich am Hafen reges Leben: Eine Werft wurde gegründet, Windmühlen errichtet, Kornspeicher gebaut, Handel und Handwerk blühten auf.
Segelschiffskapitäne siedelten sich an und führten auf ihren Fahrten durch die ganze Welt die blau-weiß-rote Flagge ihres Weeneraner Heimathafens.
Extra-Blatt
der Ostfriesischen Zeitung, 16. November 1855
„Emden, 16. Nov. Der eiserne Schraubendampfer Weener, Kapt. Harders, welcher die Fahrten zwischen Leer und Amsterdam und vice versa unterhält, ist am 14. auf seiner Reise von Leer nach Amsterdam bei der Middel-Emshörn (Anm.: östlich von Borkum) gesunken. Mannschaft gerettet und in Delfzyl gelandet. Schiff und Ladung, welche letztere aus Mehl und Honig bestand, jedoch nicht kompletirt war, dürfte als gänzlich verloren zu betrachten sein. Der Dampfer soll auf 6, nach Aussagen anderer auf 9 Faden Tiefe gesunken sein und sieht man die Masten und den Schornstein aus dem Wasser hervorragen. Nähere Details sind noch nicht zu unserer Kenntnis gelangt.“
Der Hafen war im Lauf der Jahrhunderte aber immer auch Sorgenkind. In der Ems setzte sich gegenüber der Einfahrt in den Hafen eine Sandbank ab, die den Schiffsverkehr behinderte und den Ebbestrom so verlangsamte, dass sich der Schlick in der Mündung und im Hafen selbst absetzte. Eine Folge der Verschlickung waren auch Probleme mit der Entwässerung des Hinterlandes. Im Jahr 1782 etwa verfügte die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, dass „Maßnahmen gegen die Verschlammung der Muhde“ zu ergreifen sind. Der ausgehobene Schlick wurde zu einem Drittel vor die Häuser am Hafen geschüttet, der ganze Rest auf den Fahrweg zur Fähre.
Für die Hafenanwohner war insbesondere der Herbst mit seinen Stürmen und Sturmfluten eine Zeit der Sorge. In den Beiträgen zur Heimatchronik heißt es:
„Wenn die Herbststürme brausten, schlich Frau Sorge ums Haus. Dann kam die Zeit der Sturmfluten. „Hoogwater“ war die gefürchtete Warnung der „Runder“ (Nachtwächter). Man streute Hände voll Salz auf den „Pottklei“, damit er im Falle der Not zum Abdichten der Türen recht geschmeidig war. Das Wasser stieg oft bis zu den Fenstern der Häuser, die unten verstärkte „Watermüren“ hatten und in den Tür- und Fensterrahmen mit Führungsleisten zum Einsetzen von Schotten (Schütten) versehen waren. (…) Schlug der Wind nachts bedrohlich auf Nordwest um, rüttelten die Runder ununterbrochen an den Türklinken: „Staht up, Lüü, dat Water kummt…“ Dann hörte man die schweren Tritte der Männer in hohen Wasserstiefeln, den Südwester fest unters Kinn gebunden, die dicke Bohlen zur Absperrung der Straßen anschleppten. Beim Einsetzen dröhnten ihre Hammerschläge schaurig durch die sturmgepeitschte Nacht. Türschotten wurden eingesetzt und mit Pottklei (Lauenburger Ton) abgedichtet. Aber manchmal drang das Wasser auch in die Häuser ein, dann ertönten laute Hilferufe. Beherzte Männer griffen in die Riemen, um die gefährdeten Anwohner in Sicherheit zu bringen. Keller und Wohnräume wurden oft meterhoch überflutet. Hausrat wurde soviel wie möglich auf den Hausboden („up de Böhne“) in Sicherheit gebracht, vor allem Bettzeug. Denn manchmal mussten die Bewohner bis zum Eintritt der Ebbe ausharren.“
Die immer wieder auftretenden schweren Sturmfluten mit Deichbrüchen ließen den Ruf nach einem besseren Hochwasserschutz laut werden. Im Jahr 1902 war ein Entwurf einer Schutzschleuse fertiggestellt, sechs Jahre später war Baubeginn. Die erste Schutzschleuse wurde 1909 in Betrieb genommen – der Hafen war nun tidefrei.
(Beiträge zur Heimatchronik, Aeilt Fr. Risius, 1979)






