Der Marienstein

Der Wunderstein von Stapelmoor
Früher ein Sinnbild der Verehrung

Der Heimatforscher Studienrat Ufke Cremer, Norden, veröffentlichte im „Deichwart“ Jahrgang 1925, den historischen Werdegang der Mariensteins auf Grund einer zuverlässigen Darstellung des ostfriesischen Heimatforschers Stadtgerichsauditor Johann Diedrich Möhlmann, der seit 1833 das Gymnasium in Lingen besucht hatte und – geistig früh rege – eine Zeitschrift „Der Wanderer“ mit genealogischen Daten einiger ostfriesischer, hannoverscher und westfälischer Familien herausgab.

Im Jahre 1834 hörte Möhlmann bei seinem Besuch in Weener die Geschichte vom „Wunderstein in Stapelmoor“. Dort fand er in der Scheune des damals von einer Familie Oltmanns bewohnten Wirtshaus den Granitstein. In der Nachbarschaft wohnte die schon bejahrte Frau Diddens, die von ihrer Jugend an in Stapelmoor lebte und dem Forscher restlose Aufklärung über die Herkunft des Steins geben konnte. Sie wusste noch, dass dieser Stein in ihrer Jugendzeit etwa eine halbe Stunde vom Dorf entfernt auf dem Felde gelegen hatte und größtenteils von Sand bedeckt war. Als man den Stein freilegte, glaubte man, darauf ein menschliches Antlitz zu erkennen.

Möhlmann berichtet, wie sich nun die „Wundermähr“ schnell verbreitete und zahlreiche Fremde, hauptsächlich aus dem Münsterland, anlockte. Bald hieß es, das Gesicht sei das der Mutter Gottes. Seither wurden die Besuche noch häufiger.

Da beschlossen die Stapelmoorer in der Zeit um 1780, den Stein auszugraben und ihn ins Dorf zu holen. Das gelang auch mit viel Mühe. Dabei soll eines der Zugpferde tot zu Boden gestürzt sein.

Möhlmann schildert seinen Eindruck von der Besichtigung des Steins. Mit einiger Phantasie könne man die Gestalt der Jungfrau Maria, ihren Mund, ihre Augen und Nase und einen Schleier um das Haupt erkennen. Die Münsterländer hätten viel Geld für dieses kostbare Heiligtum geboten, von dem man rühme, dass es „der Herr ohne menschliches Zutun in der Erde hätte wachsen lassen.“

Die Stapelmoorer waren seither eifersüchtig auf ihren Vorteil bedacht, der ihnen aus Wallfahrten zufiel. An den Sonntagen ging es häufig in Stapelmoor so lebhaft zu wie auf einem Jahrmarkt. Das dauerte etwa bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, dann geriet der Stein allmählich in Vergessenheit.

Quelle: Stadt Weener/Ems – Beiträge zur Heimatchronik; Aeilt Fr. Risius