Die „Törfwieven“ tragen schwer –
Das Torfreglement
Nachdem der Hafen von hiesigen Kaufleuten angelegt worden war, begannen Handel und Handwerk aufzublühen, ja, Weener selbst blühte auf. Im Pferdehandel nahm die Stadt sogar eine international bedeutende Rolle ein. Eine Werft siedelte sich an, dazu kamen Speicher, Ziegeleien, Handwerksbetriebe und mehr. Verschifft wurden Waren wie Butter oder Käse, angelandet wurde unter anderem Torf, der als Heizmaterial diente.
Die „Törfmuttjes“ (Torfschiffe) legten in der Regel an der Südseite an und zwar meistens diagonal, da auf diese Weise im doch eher kleinen Hafen mehr Schiffe nebeneinander gelöscht werden konnten. Bis zu 25 Törfmuttjes pro Tag legten von Frühjahr bis in den späten Herbst an. Die Muttjes wurden mit Weidenkörben gelöscht, die jeweils 100 Liter Inhalt fassten. 45 dieser Körbe ergaben die Fracht für ein Pferdefuhrwerk. Ärmere Bürger holten den Torf in kleinen Mengen, mit einem Handwagen oder in Körben.
Das Löschen erfolgte nach einem Torfreglement aus dem Jahr 1853, das bis 1935 Bestand hatte. In diesem stand unter anderem diese Regel:
„Diese (die Torfmesser) müssen je zwei in einem Schiffe den Torf mit den Händen in den Korb werfen und darauf bedacht sein, daß der Torf glatt in die Körbe zu liegen kommt, sodann muß der Korb, wenn er halbvoll ist, tüchtig geschüttelt werden, und wenn er voll ist, noch einmal, sodann reichlich bis die Kante vollgemacht und mit Törfen geschlossen werden“.
Hauptsächlich „Törfwieven“, also Torffrauen, löschten die Törfmuttjes. Dr. Dr. Heide Braukmüller beschrieb sie wie folgt:
„Törfwieven wassen immer fuul (waren immer dreckig), sahen abgearbeitet aus, hatten aber „wat in die Mauen“ (wörtl. Übersetzung: hatten was in den Ärmeln, d.h. sie waren kräftig). Sie trugen „Klumpen“ (Holzschuhe), „lange Rokken“ (lange Röcke) „un ’n Sackschut vör d‘ Lief“ (eine Schürze vorm Bauch, auch lang). Das Haar bedeckte „’n grode Hoot“ (ein großer Hut, breitkrempig), „man heel wiss’n Koppdook“ (zumindest ein Kopftuch).“
Die Törfwieven stammten aus „niederem Stand“, aus Arbeiterfamilien. Sie verrichteten diese schwere und schmutzige Arbeit, um sich ein Zubrot zu verdienen. In der Bevölkerung wurden sie als minderwertig, als „minn“ angesehen – aber das änderte sich. Im Jahr 1991 setzte die Stadt Weener (Ems) den Törfwieven ein Denkmal am Hafenkopf, um die schwere Arbeit dieser Frauen zu würdigen und die Erinnerung an den lebhaften Hafenbetrieb wachzuhalten. Die Plastik hat der Leeraner Bildhauer Karl-Ludwig Böke geschaffen.
(Dr. Dr. Heide Braukmüller, Torflöschen in Weener an der Ems – Turflossen in Weener an de Eems, 1997)
