Pfarrhaus Stapelmoor

Das Pfarrhaus gehört zu den typischen Vertretern des friesischen Steinhauses. Dieser Bautyp entstand etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts im Herrschaftsgebiet der ostfriesischen Häuptlinge und beschreibt ein aus Backsteinen errichtetes massives Gebäude, das militärischen Schutz und repräsentatives Wohnen in sich vereinigte.

Das Alter des Pfarrhauses ist dokumentiert durch die noch weitgehend erhaltene Inschrift aus Tonziegeln in den drei gotisch geformten verputzten Blendnischen im nördlichen Giebeldreieck. Diese lautet: „anno domini MCCCCXXIX construkta est haec domus tempore domini thayabrandi curati loci istius“, übersetzt: „Im Jahre des Herrn 1429 ist dieses Haus erbaut worden zur Zeit des Herrn Tyabrand des Pfarrers dieses Ortes“.

So entstand dieses Pfarrhaus ca. 150 Jahre nach der Errichtung der spätromanischen Kirche mit kreuzförmigen Grundriss und Westturm und liegt etwa 50 m davon entfernt in südöstlicher Richtung. Es ist aufgezeichnet, welche Pfarrer seit Anfang des 15. Jahrhunderts im Dienste der Kirchengemeinde standen und wohl auch in dem Pfarrhaus, das bis heute diesem Zweck dient, wohnten. Darum wir dieses Haus auch als das älteste immer zweckentsprechend bewohnte in Deutschland Pfarrhaus bezeichnet.

Die über viele Generationen erfahrene Nutzung hat natürlich ihre Spuren an dem Huas hinterlassen und manche Änderungen bewirkt, die den fortlaufend sich ändernden Wohnbedürfnissen geschuldet sind. Steinhäuser wurden zur Entstehungszeit durch offene Kamine in den unteren Räumen beheizt. Heute ist das Haus mit zeitgemäßer Technik versorgt. Diese Anpassungen haben jedoch auch zu einer stetigen Pflege des Gebäudes beigetragen und den Erhalt gesichert.

Bis 1953 ergänzte ein scheunenartiger Anbau mit Konfirmandenraum und Stall das Pfarrhaus. Dieser wurde danach durch einen Anbau mit Konfirmandensaal und Jugendräumen in einer unaufdringlichen Architektur ersetzt. Die räumliche Nähe des Pfarrhauses zur Kirche und zu den Gemeinderäumen macht dessen Bedeutung für die Gemeinde bewusst.

Ein wichtiges grundrißlich-konstruktives Merkmal der Steinhäuser ist die am Giebel gelegene „Upkammer“, der etwas erhöht angeordnete Wohnraum mit dem darunter befindlichen Halbkeller. Beide Teile sind beim Pfarrhaus erhalten. Die Außenwände bestehen aus roten Ziegelsteinen im Klosterformat, vermauert mit Muschelkalkmörtel. Hierin ablesbar sind in den Resten von Mauerbögen die Veränderungen der Fensteröffnungen, die ursprünglich viel kleiner waren und im Laufe der Jahrhunderte veränderte Fenstertechnik und anspruchsvollerem Wohnkomfort angepasst wurden. Ein verträgliches Maß wurde gewahrt und die Fensteröffnungen lassen die Upkammer erkennen.

Neben dem Pfarrhaus entstanden in Stapelmoor drei weitere Steinhäuser, die als Bauernburgen bekannt sind. Hiervon ist eine, genannt „Drakemond“, von 1442 noch erhalten. Diese schließen auf den bäuerlichen Ursprung der Häuptlingsfamilien in Ostfriesland. Während die Bauernburgen eingeschossig gebaut sind, ist das Pfarrhaus zweigeschossig mit Giebel und Satteldach ausgeführt.

Text verfasst von Berthold Groenewold 2010